Wie kann man Frieden in Europa erhalten? Ist Deutschland bedroht? Sollten mehr von uns Wehrdienst leisten? Ist es gut, dass mehr Geld für die Bundeswehr ausgegeben wird? Gibt es eine evangelische Antwort auf all diese Fragen?

Mit diesen und weiteren Fragen haben wir uns im Rahmen unserer Podiumsdiskussion unter der Leitfrage „Wehrdienst und Zeitenwende – sind wir als Gesellschaft auf dem richtigen Weg?“ befasst. Dazu hatten wir spannende Gäste geladen: Den Journalisten und Autor Artur Weigandt („Für euch würde ich kämpfen“), der jedoch krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, den Jugendoffizier Mike Siebert, Sascha Braumann von der „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ und schließlich den politische Aktivist und Influencer Simon David Dressler sowie Frau Dr. Friederike Krippner, Direktorin der Evangelischen Akademie Berlin und Mitautorin der neuen EKD-Friedensdenkschrift.

Vor Beginn der Diskussion führten wir eine Umfrage unter der Schülerschaft durch. Dabei ging es um die Frage, wie die Schülerinnen und Schüler zur Wehrpflicht stehen und ob sie selbst Wehrdienst leisten würden. Lediglich 6 % der Teilnehmenden gaben an, dazu bereit zu sein, eine Zahl, die Jugendoffizier Mike Siebert als ausreichend einschätzte, um die Personalziele der Bundeswehr zu decken.

Während der Podiumsdiskussion hatten unsere Gäste die Gelegenheit, sich vorzustellen, ihre jeweiligen Positionen zur Wehrpflicht darzulegen und zu verteidigen sowie auf Fragen aus der Schülerschaft einzugehen. Am Folgetag wurde erneut eine Umfrage durchgeführt, um mögliche Meinungsänderungen festzustellen. Dabei zeigte sich, dass die Haltung der meisten unverändert geblieben war und das, obwohl insbesondere Mike Siebert von vielen als überzeugend wahrgenommen wurde.

In der anschließenden Diskussion in unserem LK Politik wurde Kritik an der Selbstdarstellung der Bundeswehr geäußert, die in den Augen einiger Schüler „weich gewaschen“ und selbstverharmlosend war. Bislang fanden an der ESN noch keine Veranstaltungen mit Jugendoffizieren statt. Die Einladung eines solchen war demnach ein Novum. Einige Schülerinnen und Schüler des LK Politik sahen dies im Rückblick kritisch.

Ein weiterer Satz, der hängen blieb: „Manchmal ist die einfache Antwort nicht die richtige.“ (Fr. Dr. Krippner). Viele Schülerinnen und Schüler konnten der prinzipiell pazifistischen Haltung von Herrn Braumann nicht ganz folgen, einige fanden es toll, dass mit dem kapitalismuskritischen Influencer Dressler ganz prinzipielle Fragen über unsere Gesellschaft und den Zustand der Welt aufgeworfen wurden.

Persönlich fand ich die Podiumsdiskussion bereichernd und konnte einige neue Perspektiven im Hinblick auf das Thema mitnehmen. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass die Zeit etwas zu knapp war, um das Thema wirklich tiefgehend zu behandeln. Besonders hätte ich mir mehr direkte Diskussion zwischen den Teilnehmenden gewünscht, um unterschiedliche Standpunkte klarer herauszuarbeiten.

Die Organisation unserer Podiumsdiskussion erfolgte durch den GK Geschichte 13 und den LK Politik 12 sowie durch die Lehrkräfte Herrn Schneider und Herrn Hanloser. Wir durften außerdem auch Journalisten der “WELT” und der “Berliner Zeitung” empfangen.

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/die-nehmen-euch-die-zukunft-weg-jugendoffizier-und-kriegsdienstgegner-diskutieren-an-berliner-schule-li.10024255

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69aeb27e28206c8e00ed41fd/wehrdienst-bereitschaft-bin-ein-grosser-fan-von-kapitulation-sagt-die-schuelerin.html

Ela Yildirim, 12. Jahrgang, Leistungskurs Politik